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Schutz vor Sturmflut

17.11.2016 | Auf der Halbinsel Nordstrand errichtete das Felbermayr-Tochterunternehmen Reinhold Meister Wasserbau den höchsten Deich Schleswig Holsteins. Der Schutz gegen die Sturmfluten ist zwei Kilometer lang und etwa einen Meter höher als der alte Deichabschnitt aus dem Jahr 1965.
Der benötigte Sand wird vor der Küste mit einem Schneidkopfbagger vom Grund des Meeres gesaugt. Anschließend folgt der Transport zum Ufer. Dort wird das Material verklappt und mit einem Pumpensystem bis zu 1.500 Meter weit in die Spüldämme befördert. © Harry Steeg

Seit Menschengedenken ist die etwa 40 Kilometer südlich von Sylt gelegene Halbinsel Nordstrand besiedelt. Doch in den Wintermonaten bedrohen Sturmfluten von mehreren Metern Höhe die Siedlungen. Mit Schleswig Holsteins höchstem Deich wird jetzt den Naturgewalten getrotzt und das Siedlungsgebiet erhalten.

Deichbau

Genaugenommen wurde der bestehende Deich aus dem Jahr 1965 auf einem zwei Kilometer langen Teilstück erneuert. „Der neue Deich wurde 25 Meter breiter und 1 Meter höher als der alte Deich aus dem Jahr 1965“, erklärt Bauleiter Bernd Waclawek die Maßnahme. Damit soll der Deich dem durch den Klimawandel bedingten Ansteigen des Meeresspiegels angepasst werden. Erneuert wurde der Deich in Abschnitten von jeweils 300 Metern. Um die Baustelle trocken zu halten, wird dazu seeseitig ein provisorischer Sommerdeich errichtet. „Landseitig begannen wir mit der Errichtung eines Grob und Feinplanums“, berichtet Waclawek über die zentimetergenaue Arbeit, welche mit GPS-gesteuerten Schubraupen geschieht. Zur Gründung des Deiches wird anschließend ein etwa 75 Zentimeter hohes Gewerk errichtet. Diese sogenannten Geowaben bestehen aus einem mit Schotter und Sand gefüllten Metallgeflecht, das mit Walzen verdichtet wird. Auf diesem „Fundament“ wird dann der eigentliche Deichkörper aus Sand hergestellt. Dieser Sand wird vor der Küste mit einem Schneidkopfbagger vom Grund des Meeres gesaugt und zum Ufer transportiert. Von dort wird das Material dann etwa 1.500 Meter weit mit einem Pumpen-Schlauch-System hinter die sogenannten Spüldämme befördert. „Durch seitlich eingezogene Gräben kann dort das Wasser abfließen, sodass nur möglichst trockener Sand für den Dammkern zurückbleibt“, erklärt Waclawek. Dann wird das Material mit Raupen und Baggern korrekt profiliert und für den seeseitigen Abschluss des späteren Schüttsteinwerks eine Fußpfahlreihe errichtet. Anschließend wird der eigentliche Dammkörper mit einer natürlich vorkommenden, schlickartig bis tonigen Masse, der sogenannten Kleischicht, abgedeckt. Bis zu einer gewissen Höhe über dem Meeresniveau folgt zusätzlich das Schüttsteinwerk aus Wasserbausteinen. Das wird mittels speziellem Zement verklammert. Ein zusätzlicher Erosionsschutz wird mit der Begrünung des Dammes erreicht. Abschließende Arbeiten wie die Errichtung eines Fahrweges auf der Dammkrone sowie ein Treibselfuhrweg zum Abtransport von angespültem Strandgut wurden ebenfalls errichtet.

Ergänzend zur Errichtung des neuen Deiches wurde auf einem etwa 500 Meter langen Teilstück eines Altdeiches auch eine Hochwasser-Schutzwand errichtet. „Dafür wurden 11,7 Meter lange Spundbohlen mittels hydraulischer Presse erschütterungsfrei in den Deich eingepresst“, erzählt Waclawek und merkt an, dass das erschütterungsfreie Arbeiten besonders wichtig gewesen sei, um den Altdeich nicht zu schwächen. In die herausragenden Spundbohlenköpfe wurden anschließend Löcher gebrannt, um die Bewehrungsstäbe durchstecken und verschweißen zu können. Anschließend wurde eingeschalt und betoniert. Eine Besonderheit sind aber auch die freigelassenen Köcher im Fundament auf dem Deichkopf. „Dort wurden abschließend 70 Zentimeter breite und 80 Zentimeter hohe Stahlbetonfertigteile hineingestellt“, erklärt Waclawek. Im Herbst konnten die Arbeiten für den zukunftssicheren Sturmflutschutz abgeschlossen werden.

Autor

Markus Lackner

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© Reinhold Meister Wasserbau GmbH 2016
17.10.2017